Sind schicke Unicode-Schriften barrierefrei?
Die ehrliche Antwort: überwiegend nicht. Was Screenreader mit verzierten Zeichen tatsächlich machen – und wie man sie verantwortungsvoll einsetzt.
Die kurze Antwort
Für Menschen, die einen Screenreader benutzen, sind verzierte Unicode-Zeichen deutlich schlechter als schlichter Text. Das ist keine Meinungsfrage und auch nichts, was Screenreader erst aufholen müssten – es folgt unmittelbar daraus, dass es andere Zeichen sind und keine Auszeichnung.
Was tatsächlich passiert
Das Verhalten hängt vom Screenreader ab, von seiner Version, von der eingestellten Ausführlichkeit und von der vorgelesenen Sprache; eine einzige Beschreibung deckt also nicht jeden Fall ab. Häufig berichtet werden: jedes Zeichen mit seinem formalen Unicode-Namen vorlesen, den Text Buchstabe für Buchstabe buchstabieren, unbekannte Zeichen ganz überspringen und – bei vielen kombinierenden Zeichen – eine lange Folge von Diakritika-Namen aufsagen, bevor der Grundbuchstabe kommt.
Eine Bio, die sich als „mathematischer fetter Großbuchstabe A, mathematischer fetter Kleinbuchstabe L“ und so weiter anhört, ist nicht bloß langsamer. Sie ist unbrauchbar.
Verantwortungsvoll damit umgehen
Nichts davon heißt, dass du nie ein verziertes Zeichen verwenden darfst. Es heißt, sie als Schmuck zu behandeln, der bei manchen Menschen nicht ankommt.
- Halt die Bedeutung in schlichtem Text; verzierte Zeichen bleiben Ornament.
- Verziere nie einen Link, einen Handle, einen Preis, ein Datum oder eine Anweisung.
- Vermeide stark gestapelte kombinierende Zeichen in allem, was jemand anderes lesen muss.
- Wenn ein Beitrag verstanden werden muss, schreib ihn schlicht.
Schlichten Text wiederherstellen
Wenn du verzierten Text geerbt hast, der lesbar sein muss, wandelt das Werkzeug „Verzierten Text entfernen“ die meisten verzierten Zeichen in ihre schlichten Entsprechungen zurück. Es ist bewusst zurückhaltend und zeigt dir zuerst eine Vorschau, denn die Kompatibilitätsnormalisierung kann Zeichen verändern, die du behalten wolltest.